Wie man ein Ei kocht oder besser gleich zurück zu den Wurzeln

 

Wie man ein Ei kocht oder eine defekte Glühlampe austauscht

»Niemand muss alles können, doch sollte man wissen, wen man fragen kann.«

So oder so ähnlich lässt sich eine rudimentäre Regel formulieren, wenn es darum geht sich selbst zu helfen, ohne gleich jede Kleinigkeit des Alltags von “Profis“ gegen entsprechende Bezahlung erledigen zu lassen. Abgesehen davon, dass es gewisse Dinge gibt, welche keineswegs ein Studium zur praktischen Umsetzung benötigen, wird diese einfache Regel besonders unter den jüngeren Menschen dieser Tage leider viel zu selten beherzigt.

Im Weltnetz findet sich aktuell eine Veröffentlichung der fünftgrößten Versicherungsgesellschaft der Welt, des britischen Unternehmens Aviva, aus welcher sich durchaus erstaunliches herauslesen lässt. Aviva hatte für eine Broschüre eine Umfrage in Auftrag gegeben, anhand derer ermittelt werden sollte, welche Dinge die Befragten im Haushalt eigenhändig erledigen, ohne fachgerechte, bezahlte Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Laut den von Aviva veröffentlichten Daten trauen sich demnach 81 % der Befragten zu ein Ei zu kochen und 79 % eine defekte Glühlampe auszutauschen. 66 % behaupten des Lesens einer Karte mächtig zu sein und 65 % glauben einen Knopf annähen zu können.

Nun, diese Zahlen hören sich zunächst ermutigend an, doch betrachtet man sich den Umkehrschluss, so geht einem von fünf Befragten (sic.!) die Fähigkeit ab eine defekte Glühlampe auszutauschen oder ein Ei zu kochen! Nur 2/3 der Befragten können einen Knopf annähen oder eine Karte lesen – beides im Bedarfsfall, gelinde ausgedrückt, ausgesprochen hilfreiche Fähigkeiten.

Die Zeiten haben sich selbstverständlich geändert. Im Prä-Internet-Zeitalter musste man sich schlichtweg zu helfen wissen oder man kannte jemanden, der “weiß wie es geht“. Heutzutage kann man sich fehlendes Wissen über das Internet aneignen und Youtube ist dabei von vielen (insbesondere jungen) Menschen die Adresse der ersten Wahl.

Die Filmplattform ist voll von Anleitungen für so ziemlich jede Herausforderung, Erklärungen für Fragen, welche man sich schon immer gestellt hat und es finden sich jede Menge – mal mehr, mal weniger sinnvolle – sogenannten “Life-Hacks“, also Tipps und Tricks, welche das Leben vermeintlich einfacher machen.

So wird beispielsweise bei “Der Schlaumacher“ erklärt, “Warum Männer Morgenlatten bekommen“, ob es möglich ist, seine “Augenfarbe mit Lebensmitteln zu ändern“, oder “Wie man Fliegen mit der Hand fängt“. Ob diese Informationen nun für das eigene Leben wirklich wichtig sind, sei einmal dahingestellt. Dennoch ist das Weltnetz voll von solchen Dingen und die insbesondere den jüngeren Generationen durch das schlichte Vorhandensein vorgegaukelte Illusion, es gäbe auf jede Frage eine Antwort “im Internet“ oder “bei Google“ oder “auf Youtube“, verführt bedauerlicherweise zur weit verbreiteten Aufgabe des Selberdenkens – was sich bekanntlich auch in der Wahrnehmung und Interpretation von “Nachrichten“ zeigt, aber dies nur am Rande.

Die vorgenannte Studie bestätigt also grundsätzlich, dass zumindest ein Teil der Menschen elementare Dinge verlernt hat oder nicht mehr beigebracht bekommt und diese Erkenntnis ist nicht nur traurig, sondern auch für Jedermann im Alltag zu beobachten und zutiefst beunruhigend. Denn was machen diese Menschen, falls das Weltnetz sich verabschiedet? Ist ihnen klar, dass die durch Großkonzerne gefilterten Informationen ihnen die Illusion als Teil ihres Lebens vorgaukeln? Wie lange können diese Leute im Bedarfsfall und im wahrsten Sinne des Wortes “überleben“, ohne auf Anleitungen und Lebensweisheiten des Internets zurückzugreifen?

Wohl jenen, welche ihren Kindern (wenigstens zeitweise) das Schlautelefon aus der Hand nehmen, ihnen praktisches Denken und Handeln vermitteln und sie zum Einsatz ihres Verstandes ermutigen. Wohl jenen, welche ihrer Tochter beispielsweise einen Nähkurs ermöglichen und ihren Söhnen einen Akkuschrauber in die Hand drücken, auf dass sie ihre neuen Küchenstühle selbst zusammenbauen – und/oder anders herum.

Das wirkliche Leben findet nun einmal nicht vor einem Bildschirm statt – ob nun der eines Schlautelefons, eines Rechners oder dem der Flimmerkiste. Unsere Gesellschaft wurde auf einen suizidalen Weg geleitet und die britische Studie zeigt einen Teil der sehr beunruhigenden Auswirkungen.

Gehen wir also zu den Wurzeln zurück und beginnen wir bei unseren Kindern, indem wir aufhören sie vor irgendwelchen Ersatzbefriedigungen zu parken und ihnen die Dinge beibringen, welche ihnen für ihr Leben nützlich sind – wie zum Beispiel das austauschen einer defekten Glühlampe, das Annähen eines Knopfes oder das Lesen einer Karte, einer auf Papier gedruckten Karte.

Alles läuft nach Plan…

Gelesen beim: N8wächter

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