Stockholm-Syndrom Demokratie

Es gibt keine Alternative im System, die nicht eine Alternative des Systems ist. Dabei sind Wahlen nicht „sinnlos“, wie es manche gerne propagieren. Sie erfüllen einen zentralen Zweck: Die Identifikation mit dem eigenen Sklavenhalter.

Alternativen sind im System nicht wählbar. Nur vom System erlaubte und somit dem Systemkonsens verbundene Gruppen oder solche, die derzeit keine Gefährdung des Systems darstellen, werden zu Wahlen zugelassen. Auch grundsätzlich systemkritische Gruppen bieten dem System dabei eine Möglichkeit zur Kontrolle, Sammlung und Einhegung von potentiell gefährlichen Personen und Positionen. Denken wir dabei an die NPD und ihre Funktion als Kriminalisierungsorgan und Verfassungsschutzpartei.

Der systemimmanente Charakter der Wahlen erfüllt sich in der Form der Stabilisation der Verhältnisse durch konsequenzlose Veränderung der Parteienkonstellation. Es ist also für das System nicht irrelevant, ob gewählt wird, da die Wahlbeteiligung einen Gradmesser für die Teilnahme am politischem Prozess des Systems darstellt.

Teile und herrsche

Auch wenn politische Tendenzen in Form von Wahlergebnissen auch für uns als solche erkennbar und bewertbar sind, vergessen wir dabei nie (!) den obenstehenden Grundsatz, der als Mantra revolutionärer Bewegungen verstanden werden darf: „Es gibt keine Alternative im System, die nicht eine Alternative des Systems ist.“ Ein System ist – luhmann’sche Systemtheorie – die Differenz zur Umwelt. Ein System erhält sich somit selbst durch die Abgrenzung von Abweichlern aktiv und stabil.

Traditionalisten, Alternative, Aussteiger, Konsumkritiker, Minimalisten, Sportler, Drogenabhängige, Familien… Sie alle verbindet der Hang zur Konstruktion eigenständiger Parallelgesellschaften, die vom System geduldet und sogar gefördert werden, solange es der Aufrechterhaltung des Systems dient. So reinigt der systemkritische Aussteiger das System selbst durch sein „Aussteigen“ von gefährlichen Querulanten, der Drogenabhängige betäubt seine Ohnmacht, die auch als Ausdruck einer Fremdheit und Ungeborgenheit im kapitalistischen System verstanden werden muss. Familien schaffen sich (zumindest theoretisch) die Volksgemeinschaft im Kleinen, während sie durch die fortbestehende Einbettung ins System (Steuer, Umerziehung, Verblödung…) weiter ihren Dienst für die Instanz erledigen, die die eigentliche Volksgemeinschaft zerstört hat. Wem das nicht passt, der kann ja das nächste Mal anders wählen.

Wie wählen?

Die Spaltung erfasst dabei alle Bereiche, auch die Wahl der entsprechenden Partei. Wie soll der Arbeiter denn wählen, der an seiner Heimat hängt und seine Familie erhalten möchte? Option 1. Eine pseudo-einwanderungskritische Partei, die antisozialistisch ist. Option 2. Eine pseudo-sozialistische Partei, die antinational ist. Option 3. Eine Naturschutzpartei, die sich für Krieg einsetzt. Option 4. Eine Partei für Sicherheit, die Überwachung, Zensur und Unfreiheit bringt. So hängt an jeder scheinbar guten Position das Negative.

Der, der keinen Kapitalismus will, kann zwischen fünf kapitalistischen Optionen wählen, die in unterschiedliche Schattierungen auftreten. Und der, der keine Umvolkung will, kann sich irgendwo zwischen AfD/FPÖ (die müssen sich integrieren) und Grünen (alle sollen das tun, was sie wollen) positionieren. Die Grundsatzfrage wird schon gar nicht mehr gestellt. Das alles dominierende Dogma des Globalismus ist der Status quo, der unverrückbar und selbstverständlich erscheint.

Stabilisation durch „Veränderung“

Bei gleichem Dogma und marginalen Inhaltsunterschieden, die durch Vermarktungsstrategen zu Grundsatzdifferenzen hochstilisiert werden, soll die Wahlfreiheit zur Systembindung führen. Offensichtliche Alternativlosigkeit und Zwang stoßen schnell an die Grundbedürfnisse nach Freiheit und Selbstbestimmung, weshalb die Inszenierung den Bedürfnissen der Massen Rechnung tragen muss. Inszenierte Entscheidungen als Rituale einer in ihrer Flexibilität statischen Form erfüllen dabei jedoch nicht nur eine Stabilisatorfunktion, sondern integrieren das Individuum in ein System, mit dessen Parameter er sich identifizieren soll.

So wird fiktives Kapital an den Börsen, das Einzelstaaten zugerechnet wird, zum Indikator für individuellen Erfolg des Systeminsassen. Wahlerfolge „der eigenen Partei“ werden zu emotionalen Hocherlebnissen. Staatliches Wirtschaftswachstum besänftigt den Arbeitslosen und den Lohnarbeiter, der darin – wie propagiert – eine Form der Besserung verortet. Dass Wirtschaftswachstum zunächst durch Ausbeutung und eine wachsende Schere von Lohn und Gewinn erreicht wird, beleuchtet den Charakter einer perversen Wachstumsideologie. So freut sich das Schaf auf die eigene Schlachtung, die von den Strategen der Globalisierung mit den Worten „Davon profitiert die gesamte Gesellschaft“ verkauft wurde.

Aber…

Und dann gibt es noch die, die wählen, es jedoch als kleinstes Übel abtun. Und jene, die eigentlich gar nicht mehr an Veränderung glauben, aber den Ritus weiterführen. Dabei ist es doch so einfach: Entweder man wählt und glaubt an die Sinnhaftigkeit seines Tuns oder man wählt nicht und glaubt eben nicht an die Institution dieses demokratischen Ritus.

Dabei pervertiert diese (selbst-)ironische Betrachtungsweise des Wählens bereits die „Wahl“ mangels eindeutiger Entscheidung. Auch das Wählen anhand einzelner Positionen oder Personen scheitert an der Austauschbarkeit von Parolen und Köpfen. Mit Rückgrat passt kein Mensch in einen Parlamentssessel. Der bürgerliche Zwitter weiß das.

Und so wechseln Positionen völlig beliebig – je nachdem, ob man gerade die Oppositionsrolle spielt, regiert, am Stammtisch sitzt, bei der Vernissage sinniert oder mit Bierkrug am Oktoberfest Volksreden schwingt. Demokratie ist inhaltsleere Inszenierung. Der einzige archimedische Punkt, der nie verlassen wird, ist das Ziel: Die Versklavung und Ausbeutung der Massen.

Demokratie ist Gift

Wer wählt, verliert. Weil er das System legitimiert, das ihm jede echte Wahl geraubt hat. Die fälschliche Hoffnung auf Besserung und Mitbestimmung im System ist die Droge, die seit Jahrzehnten die Massen im lethargen Halbkoma hält. Wer sich mit seinem Entführer, seinem Sklavenhalter und dem Mörder identifiziert, liegt auch geistig in den schwersten Ketten. Denn: Wie soll sich der befreien, der sich im Gefängnis in Freiheit wähnt?

Erst wenn die Ohnmacht, die Entfremdung, die Sinnlosigkeit der eigenen Arbeit, das Dasein als Rädchen des Konzerngetriebes, die Gewalt des Systems, der Imperialismus des Neokolonialismus, die Vernichtung der Natur, die globale Umvolkung, die Züchtung von Hass… wenn all‘ das und noch vieles mehr offensichtlich und unübersehbar wird, ist Hoffnung.

Gelesen bei: https://logr.org/etschlichter

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