Merkeldämmerung – „Weiter so“ ist K.O.

Nach dem riesigen Interesse an meinem gestrigen Blogbeitrag über Merkels türmende Schoßhunde will ich hier noch eine Fortsetzung wagen.

Keine 24 Stunden nachdem diese Analyse hier erschienen ist, gibt es bereits Dutzende von Beispielen, wie die Hofberichterstatter im deutschen Blätterwald, die in Schulz einen neuen „Helden“ gefunden zu haben meinen, Merkel nun wie eine heiße Kartoffel fallen lassen.

„Weiter so“ ist komplett K.O.

Kein Wunder: Merkel hat nicht nur ihre Zugkraft verloren (was man schon länger sieht), sie überzeugt auch ihre schreibenden Hofschranzen nicht mehr. Und das ist der Sargnagel, wenn sich daran bis zum September nichts mehr drastisch ändert. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland mehr Menschen, die darauf einen Sekt trinken, als dies zu bedauern.

„Ist Deutschland Merkel-müde?“, fragt die BILD. Wortgleiche Kommentare lesen wir bei der WELT und sogar bei den Österreich Nachrichten. „Die Union muss mehr sein als der geföhnte Status quo“, kritisiert frech und völlig zutreffend die WELT. „Merkel kandidiert – und keiner freut sich“, diagnostiziert die BZ. Die FAZ bringt sogar ein Interview, in dem ein Vergleich von Merkels Migrationspolitik mit dem Untergang des Römischen Reiches gezogen wird.

Und so weiter und so fort. Hier schimmern schon teils gut erkennbar Schadenfreude und Hohn zwischen den Zeilen hervor. Alles von Journalisten, die in vielen Fällen die Kanzlerin vor ein paar Wochen oder Monaten noch für alternativlos hielten, oder sie ihrem staunenden Publikum als mächtigste Frau der Welt beschrieben.

Das sind alles Journalisten, die jetzt die selbe alte Story aus Berlin – die Story, die sie lange Zeit selbst ihren Lesern aufgeschrieben haben – einfach nicht mehr hören wollen, oder können.

Endlich haben sie in Martin Schulz einen neuen politischen Nordstern gefunden, auch wenn der so matt aussieht, als würden dutzende von Nebel-Galaxien seinen Schein dämpfen. Aber das ist egal, jetzt hat man einen Gegner für Merkel, von dem alle seit Jahren steif und fest behauptet haben, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt. Dass diese Glorifizierung eine maßlose Übertreibung wie zuvor im Falle Merkel ist, wollen wir hier gar nicht erst erörtern.

So sieht das jedenfalls aus, wenn Merkels beste Truppe von ihr abfällt. Es musste ja eines Tages so kommen. Denn auch die Massenmedien können sich ein weiter so – in diesem Fall mit Blick auf ihre regierungsfreundliche Linie – angesichts des fliehenden Publikums einfach nicht mehr leisten.

Viel zu lange hat der Mainstream auf diese Frau gesetzt und hat sich dabei ein ums andere Mal blamiert, nicht nur durch zu große Nähe, durch drastische Verengung des Meinungs-Korridors und durch haarsträubende Einseitigkeit wie bei der „Berichterstattung“ über Donald Trump und die böse Russen, sondern auch durch den BREXIT.

Jetzt hat man in Schulz einen gefunden, der zwar viele hohle Phrasen drischt – und der ebenso stark wie Merkel für die im Wahlvolk mit breiter Ablehnung quittierte EU-Linie steht – der seine Phrasen aber wenigstens nicht ganz so müde, zerknirscht dreinblickend und lustlos zwischen den Zähnen hervorgequetscht präsentiert wie die ausgeleierte Gebetsmühle im Kanzleramt.

Gelesen bei: http://klapsmuehle-online.de

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