Das Eigene und das Fremde

 

Das Eigene ist uns naturgemäß immer näher als das Fremde. Menschen, die einem persönlich nahestehen (wie etwa die eigene Familie) sind einem mehr wert als andere, die ganz woanders wohnen und die man nicht kennt. Der eigene Freundeskreis ist uns logischerweise lieber als jener eines Unbekannten. Das zu sagen ist aber unerhört, denn die political correctness verbietet uns heute, diese banalen Wahrheiten offen und gelassen auszusprechen.

Und doch bleibt die Wahrheit, was sie ist. Sie geht auch weiter: Einen Teil der uns nahestehenden Menschen wählen wir bewusst und aktiv aus (wie etwa die Ehefrau bzw. den Ehemann und den erwähnten Freundeskreis). Anders gesagt: Wir diskriminieren und selektionieren. Ohne diese Wahlmöglichkeiten, durch die wir in Form der getroffenen Auswahlen immer auch ein Nein zu jemandem anderen äußern, wäre es uns gar nicht möglich, ein emotional erfülltes und freies Leben zu führen.

„Blut ist dicker als Wasser“

Ein fundamentaler und  feststehender Teil unserer Nächsten wird von der Natur vorgegeben und ist mit uns als Eltern, Kinder und sonstige Verwandte in einem speziellen Verhältnis über genetische Ähnlichkeiten und die biologische Zusammengehörigkeit verbunden. Die Familie ist der Platz des stärksten Miteinanders.

In der Regel werden wir für alle uns wichtigen Menschen in krisenhaften Situationen mehr tun als für Fremde. Wir werden aber Fremden, die unsere Hilfe brauchen, diese im Normalfall ebenfalls nicht verweigern. Der persönliche Altruismus ist im Krisenfall jedoch immer von Prioritäten gekennzeichnet, denn es kann nie für alle immer alles und zu jeder Zeit getan werden. So ehrlich muss man sein, dass man das zugibt. Gesellschaften haben nicht zuletzt auch deswegen die verschiedenen helfenden Berufe entwickelt, diese sind natürlich auch für die Versorgung von Fremden zuständig und verantwortlich.

Grenzen sind eine Bedingung

Aus der Tatsache, dass es Familien, Sippen, Stämme und daraus hervorgehende Völker gibt, haben sich die Nationen gebildet. Grundbedingung jeder Nation und jedes Staates ist neben seiner inneren Zusammengehörigkeit seine Begrenzung. Darüber gibt es weder rechtswissenschaftlich noch soziologisch irgendwelche ernstzunehmenden Zweifel. Ohne Grenzen kann keine staatliche Struktur, ja letztlich überhaupt keine gesellschaftliche Struktur aufrechterhalten werden.

Das einzige, wodurch Grenzen und Staaten in Frage gestellt werden, sind linksorientierte Weltanschauungen, die den globalen Einheitsstaat und den Einheitsmenschen zum Ziel haben. Die Vertreter und Verfechter dieser Ideologien arbeiten unermüdlich daran, die Grenzen aufzulösen und die Unterschiede zwischen den Völkern und Nationen einzuebnen. Die Auflösung der Familie gehört da essenziell dazu.

It`s the Immunology, stupid

Das ist, zu Ende gedacht, eine sehr problematische Angelegenheit.  Weltanschauungen, die Grenzen in Frage stellen, negieren nämlich jene an das Eigene gebundenen biologischen Voraussetzungen, die höheres Leben erst ermöglichen. Das Eigene über das Fremde zu stellen ist nicht nur eine kulturelle, (völker-)rechtliche und soziale Notwendigkeit, sondern vor allem auch eine evolutionäre Bedingung. Zur Sicherung des je Eigenen hat die Evolution schon sehr früh spezielle Werkzeuge entwickelt: Die Immunsysteme.

Immunologisch betrachtet sind Individuen jeweils klar begrenzte und abgeschlossene Welten, die nur über die Immunsysteme mit dem Äußeren in Kontakt treten können. Nichts darf in den Körper, das nicht vom körpereigenen Immunsystem zuerst kontrolliert und dann freigegeben wird. Wenn ein Agens eindringt und dem Individuum Probleme machen könnte, wird es von der „Körperpolizei“ isoliert, untersucht und bei Gefahr unschädlich gemacht. Gelingt diese Abwehr nicht, treten Allergien oder Krankheiten auf. Und wenn das Immunsystem nachhaltig gestört ist, dann bedeutet das über kurz oder lang den Tod des Individuums. Über diese Fakten gibt es keine wissenschaftlichen Zweifel.

Selbstschutz ist die erste Notwendigkeit

Der Schutz des Eigenen durch Grenzen und grenzsichernde Maßnahmen ist also eine Lebensbedingung. Die verschiedenen menschlichen Kulturen haben von Anfang an die Immunsysteme unbewusst, aber zwangsläufig kopieren müssen und ihre sozialen Konstrukte nach definitiv immunologischen Kriterien aufgebaut: Jede Höhle, jede Behausung, jeder Kral, jede befestigte Siedlung war und ist darauf ausgerichtet, Schutz und Kontrolle zu bieten. Wach – und Grenzsysteme sind nichts anderes als immunologische Einrichtungen. Ebenso sind sozio-kulturelle Eigenschaften wie Rituale, Verhaltensweisen etc. im Inneren des jeweils bewachten Raumes letztlich auf immunologischen Prinzipien beruhend. Sie wurden und werden daher von gesunden Populationen entsprechend verteidigt, kultiviert und beschützt.

Zur Notwendigkeit des Selbstschutzes kam schon früh das Eigentum als materielles Substrat des Eigenen hinzu und verstärkte noch das Schutzbedürfnis der Individuen in den Gemeinschaften. (Dass die von der frühen linken Ideologin angestrebte Abschaffung des Eigentums gegen ein Grundbedürfnis des Menschen geht, ist mittlerweile hinlänglich bewiesen. Man machte aus dieser Not deswegen eine Tugend und nannte sie Umverteilung.)

Die Biologie der Kultu

Freilich gab es immer schon das Fremde, das in andere Kulturen eindringen wollte, um dort in guter oder auch böser Absicht eigene Interessen zu verfolgen. Und so wie das körpereigene Immunsystem das Fremde kontrolliert und klassifiziert, erfolgte dies früher an Zugbrücken, Stadttoren, Grenzposten usw. Befand man Fremdlinge für ungefährlich, durften sie passieren und erhielten sogar ein heiliges Recht: Das Gastrecht. Wer dieses Privileg aber missbrauchte, war den strengsten Strafen bis hin zur Exekution unterworfen.

Immer schon war es sowohl biologisch wie auch kulturell klar, dass abgeschlossene Systeme grundsätzlich und regelmäßig Inputs von außen brauchen, um gedeihen zu können. Jedes Immunsystem muss Kontakt mit fremden Entitäten haben, um seine Fitness zu trainieren und zu festigen. Infekte hinterlassen oft Immunität und stärken das System. Aber auch hier ist es eine Frage der Dosis: Fulminante Infekte mit virulenten Erregern können gefährlich werden. Andererseits können inadäquate und überschiessende Immunreaktionen genauso pathologische Folgen haben. Und nicht zuletzt gibt es kooperative Eigenschaften von Immunsystemen, die dafür zuständig sind, fremde Inputs zu integrieren.

Man kann nicht einfach so Organe transplantieren

Ein besonderes Feld der Immunologie ist die Transplantationsmedizin. Die Verpflanzung von Organen funktioniert umso besser, je ähnlicher sich Spender und Empfänger in ihrem Immunapparat sind. Völlig unproblematisch gelingt das bei eineiigen Zwillingen. Noch immer gut geht es, wenn Spender und Empfänger eng verwandt sind. Wenn aber allein nur die Blutgruppe unterschiedlich ist, kann kein Organ mehr transplantiert werden. Und selbst bei guten Voraussetzungen und perfekter Begleit-Medikation kann es zu gefährlichen Abstoßungsreaktionen kommen.

Das Transplantat kann auch den Wirt abstoßen

Auch hier sind die Parallelen zum Sozialen und zum Kulturellen unübersehbar: Eine Kultur kann man nicht einfach so in eine andere hinein verpflanzen und meinen, das sei harmlos und leicht zu schaffen – auch wenn man es noch so gut meint. Selbst wenn der neue Wirt riesengroß ist, wird das nicht funktionieren, sondern eine immunologische Reaktion spätestens dann hervorrufen, wenn die transplantierte Kultur eine kritische Größe überschreitet, bestimmte Stärken oder aggressive Inputs mitbringt. Dann ist sogar die gefürchtete Graft-versus-host-reaction möglich: Das Transplantat stößt den Wirt ab und dieser kann im schlimmsten Fall sogar sterben.

Kulturell und soziologisch gilt, dass das Eigene sich mit dem Fremden intensiv und differenzierend auseinandersetzen muss und dies auch tun wird, immer und überall. Und diese Begegnung kann entweder friedlich erfolgen oder konflikthaft.  Wer dabei die zugrunde liegenden und essenziellen immunologischen Bedingungen des Sozio-Kulturellen ignoriert, schafft die Voraussetzungen dafür, dass vor allem der Konflikt passiert.

Gelesen bei: https://www.thedailyfranz.at

Advertisements

2 Kommentare zu “Das Eigene und das Fremde

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s