Lieber armer Gutmensch

Ein offenes Wort an die politisch korrekten Zeitgenossen

Gestatte mir, lieber armer Gutmensch, dass ich einmal das Wort ganz persönlich an dich richte:

Was ist denn nun eigentlich los mit dir?

Zugegeben, auch ich hatte in längst vergessenen Tagen diesen Aufkleber mit dem Wortlaut „No Atomstrom in my Wohnhome“ an meiner Zimmertür kleben.

Auch am Auto pappte ein ähnlich dummer Spruch: „Alle Menschen sind Ausländer – überall“.

Und um mein Image als tolle, emanzipierte und politisch engagierte junge Frau vollends „aufzupeppen“, durfte natürlich auch das Che Guevara-Plakat in meinem Zimmer nicht fehlen (obwohl ich gar nicht wusste, wer das eigentlich war) und der aktuelle „Spiegel“ lag natürlich auch immer auffällig irgendwo herum…

Ich war grade mal 15,16 oder 17 Jahre alt und hatte keine Ahnung ob der Bedeutung all dessen. Aber ich bekam aus meinem damaligen Tübinger Studentenfreundeskreis Anerkennung und Lob.

Dann MUSSTE das ja alles gut und richtig sein!

Aber ich wurde älter. Ich wurde selbstständiger, wurde sehr jung Mutter, und damit begann ein anderes Leben:

Jeden Tag arbeiten und Verantwortung übernehmen; das war ab diesem Zeitpunkt mein neues Leben.

Und damit ging auch eine völlig neue Denk- und Sichtweise der Dinge einher.

Ich musste meinen Lebensunterhalt für mich und meine Tochter als alleinerziehende Mutter selbst verdienen, zusehen, dass sie auf gute Schulen ging, konsequent lernte, verschiedene Sportarten ausübte und Freunde hatte, die ihr gut taten. Und vor allem:

Acht darauf geben, dass sie nicht „auf die schiefe Bahn“ geriet. Aber dennoch die Zügel weitestgehend locker lassen.

Ich habe das alles ganz gut hinbekommen.

Mein Kind ist heute eine wundervolle, gütige, beruflich erfolgreiche und unabhängige junge Frau und seit kurzem selbst Mutter…

Warum ich dir das schreibe, lieber Gutmensch?

Weil ich nicht verstehen kann, was du tust, was du willst und was dich antreibt, das zu tun, was du täglich meinst tun zu müssen…

Weißt du, was ich glaube?

DAS, was du vermeintlich sekündlich vorgibst, „Gutes“ zu tun, ist meiner Meinung nach im Grunde nur Eines:

purer Egoismus!

Wenn du auf den Straßen im Kreis deiner Gutmenschen-Sekte „Refugees welcome“ skandierst,

an Bahnhöfen kindlich verklärt Menschen mit irgendwelchen albernen Teddys bewirfst,

eifrig Brote für Flüchtlinge schmierst und bei keiner Menschenkette fehlen darfst….

…dann habe ich den Verdacht, dass es dir keineswegs um den humanitären Gedanken dabei geht, den du vorgibst zu haben, sondern ausschließlich um Anerkennung und Beifall DEINER eigenen, im Grunde bemitleidenswerten Person.

Das ist Egoismus und keine Toleranz!

Ich denke, du bist das vernachlässigte und ungeliebte Kind oder Enkelkind der frühen ´68 er Generation.

Deine Eltern, mit ihren fast schon obsessiven antiautoritären Erziehungsmethoden fast ständig bekifft, mit dir im Schlepptau allabendlich in irgendwelchen verrauchten Szenekneipen unterwegs, haben dich ganz einfach übersehen.

Sie haben dich und deine Geschwister zwar “ irgendwie “ groß bekommen, aber du kanntest nie Grenzen, nie Konsequenzen und wurdest vermutlich auch nie für Fehler liebevoll bestraft.

Genauer betrachtet: Irgendwie gab es dich gar nicht…

Was als „antiautoritäre Erziehung“ auf den Fahnen deiner Eltern geschrieben stand, war in Wirklichkeit nur Eines:

Faulheit, Bequemlichkeit und Desinteresse!

Und genau in diesen Momenten zeigte sich der Egoismus deiner eigenen Eltern.

Sie haben dich nie auf das wirkliche Leben vorbereitet und wollten das wahrscheinlich noch nicht einmal. Vielleicht haben sie dich nicht einmal geliebt…

Dabei hast du dich so sehr nach Aufmerksamkeit und Anerkennung gesehnt….

Du hättest sogar gerne einmal eine Strafe in Kauf genommen, nur um endlich einmal wahrgenommenen zu werden…

Aber sie haben dich übersehen…

Das Che Guevara-Plakat deiner Eltern gibt es immer noch, aber heute hängt es neben den Traumfängern von damals, edel gerahmt im eigenen Reihenhaus, und deine Eltern fahren viermal im Jahr in Urlaub und am Wochenende regelmäßig im Audi A8 zu Giovanni, dem Nobel-Italiener…

Dabei waren sie doch immer gegen das System und gegen den Kapitalismus…

Wenigstens tragen Sie Ihre Klamotten und die Frisuren noch wie damals, aber sie reden kaum noch miteinander.

Deine Mutter trifft man noch ab und an auf Flohmärkten, wo sie in nostalgischer Melancholie ihre selbst getöpferten Vasen anbietet.

Und nun bist du erwachsen , kannst nicht selbständig denken, weil man dir das verboten hat, kannst dein Leben nicht selbst finanzieren, weil man dir das nie beigebracht hat, arbeitest nicht, weil du auch nichts gelernt hast.

Da gibt es nichts, worauf du stolz sein kannst – nur gähnende Leere und Langeweile…

Und weil du so gar nichts hast, was deinem Leben Inhalt gibt, rennst du von einer Demo zur nächsten, schmierst Brote für Flüchtlinge, wirfst Teddys und stehst an Bahnhöfen herum…

Immer sehnsüchtig auf der verzweifelten, sinnlosen Suche nach Anerkennung.

Einen kurzen Moment in der Öffentlichkeit, ein kurzer Moment eingebildeter Geborgenheit unter all den anderen scheinheiligen Gutmenschen, die unter dem gleichen Defizit leiden wie du….

Dann ist dieser Moment auch schon wieder vorbei, und du bist wieder das, was du schon immer warst:

Ein armer, seelisch verkrüppelter Gutmensch…,

ein unscheinbares Nichts – bedeutungslos,

von niemandem beachtet, von niemandem wahrgenommen – und von niemandem vermisst.

Fast könntest du mir leid tun…

Fast!….

Gelesen bei: http://brd-schwindel.org

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7 Kommentare zu “Lieber armer Gutmensch

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