Ein UN Bericht warnt vor einem weiteren arabischen Frühling

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Araber machen gerade einmal 5% der Weltbevölkerung aus, aber sie sind verantwortlich für die Hälfte des globalen Terroismus und der Flüchtlingsströme.

Im Dezember 2010 diskutierte die ägyptische Regierung die Ergebnisse der nationalen Jugendstudie. Wie sich zeigte nahmen lediglich 16% der 18-29 jährgen an Wahlen teil; gerade einmal 2% engagierten sich in Freiwilligenarbeit. Es handelt sich um eine apathische Generation, wie die Minister schlussfolgerten, die sich im Däumchendrehen ergeht. Wochen später stürmte Ägyptens Jugend die Strassen und stürzte Präsident Hosni Mubarak.

Der neueste arabische Entwicklungsbericht der UN, der am 29. November veröffentlicht wurde, zeigt, dass seitdem nur wenig gelernt wurde. Fünf Jahre nach den Aufständen, bei denen vier arabische Führer gestürzt wurden gehen die Regimes weiterhin hart gegen den Dissens vor, schenken den Ursachen aber kaum Aufmerksamkeit.

Mit den taumelnden Staatswesen identifizieren sich die Jungen zunehmend mit ihrer Religion, Sekte oder der Sippe. Im Jahr 2002 steckten fünf arabische Nationen in Konflikten. Heute sind es 11. Bis 2020, so der Bericht, könnten fast drei von vier Arabern „in Ländern leben, in denen leicht Konflikte ausbrechen können“.

Entsetzlicherweise war die arabische Welt im Jahr 2014 für 45% aller Terroraktivitäten auf der Welt verantwortlich, sowie für 68% aller Kriegstoten, 47% aller innerhalb eines Landes vertriebenen und 58% aller Flüchtlinge, obwohl sie nur 5% der Weltbevölkerung stellt. Der Krieg tötet und wütet nicht nur, sondern zerstört auch vitale Infrastruktur, was zu einer immer schnelleren Desintegration führt.

Die arabische Jugend (15-29 jährige) zählt 105 Millionen Köpfe und wächst rasant, allerdings wachsen Arbeitslosigkeit, Armut und Marginalisierung bei weitem schneller. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 30% und ist damit doppelt so hoch wie der globale Schnitt von 14%. Fast die Hälfte der jungen arabischen Frauen sucht vergeblich nach Arbeit (im Vergleich zu 16% für die gesamte Menschheit).

Und doch werden Regierungsämter weiterhin fast aussschliesslich innerhalb der Elite vererbt.

„Junge Menschen sind ergriffen von einem umfassenden Gefühl der Diskriminierung und der Exklusion,“

heisst es im Bericht und stellt heraus,

„wie schwach ihr Engagement für die Erhaltung der Regierungsinstitutionen ausgeprägt ist.“

Viele Mächtige machen nicht mehr, als sich in Lippenbekenntnissen zu ergehen und schieben Jugendthemen ab in zahnlose Ministeren, wie etwa in jene für Sport.

„Wir befinden uns in einem bei weitem schlechteren Zustand als vor dem arabischen Frühling,“

sagt Ahmed al-Hendawi, ein 32 Jahre alter Jordanier und UN Bevollmächtigter für Jugend.

Die arabischen Regimes tendieren dazu, auf Sicherheitsbedrohungen zu reagieren, indem sie den Griff noch weiter festigen. Regierungen lenken Entwicklungskapital in den Kauf von ausländischen Waffen. Aus Mangel an sozialer und physicher Mobilität in der Heimat gehen junge Araber traditionell ins Ausland. Diese Sicherheitsventile aber schliessen sich schnell.

Obwohl die arabische Liga den Anspruch der Brüderlichkeit erhebt ist die visafreie Reisemöglichkeit unter den 22 Ländern eher unüblich. Viele Araber brauchen eine Ausreisegenehmigung, um sich aufzumachen. Wo Staaten in Konflikte verheddert sind leben viele in Ghettos in ihrem eigenen Land. Die physischen und bürokratischen Hürden aber, die als Sicherheitsmassnahmen vorgeschoben werden erweisen sich als kontraproduktiv.

„Der Moment, in dem ich einer vertriebenen oder marginalisierten Person das Reisen verbiete, um eine Arbeit zu finden, dann lasse sich sie implizit als Opfer zurück und gebe sie extremistischen Ideologien preis,“

sagt Jad Chaaban, der Hauptautor des Berichts. Viele der Gebildetsten geben auf, setzen sich in ein Boot im Mittelmeer und verlassen die Region. Ist es zu spät für eine Trendumkehr?

Die Vereinfachung des innerregionalen Reiseverkehrs wäre ein Anfang, meint der Bericht. Auch wenn große Teile der Region innerhalb des osmanischen Reiches bis vor einem Jahrhundert einen gemeinsamen Markt bildeten, so ist es heute meist einfacher, ein Arbeits- oder Studentenvisum für Europa zu bekommen, als für den Reigen verunsicherter arabischer Staaten. Eine Zollunion und verbesserte Reisemöglichkeiten könnten das BIP der Region im Verlauf von sieben Jahren um 760 Millarden Dollar erhöhen, schätzt der Bericht, eine Summe, welche die Jahreswirtschaftsleistung von Marokko übersteigt.

Während die arabische Jugend weitaus seltener zur Wahl geht, so ist sie bei weitem öfters in Proteste verwickelt. Der UN Bericht merkt an, dass die arabischen Protestbewegungen in Fünf-Jahres-Zyklen auftreten. Nordafrikas Unruhen hatten 2001, 2006 und 2011 ihre Spitze, wobei jede Welle heftiger war als die vorige. Eine weitere Runde scheint überfällig.

„Junge Araber, so der Bericht, bevorzugen direktere, gewalttätigere Mittel, insbesondere, wenn sie überzeugt sind, dass die existierenden Mechanismen für die gesellschaftliche Teilhabe und die Verantwortlichmachung der Regierung nutzlos sind.“

Die neue Generation, so heisst es, ist die „größte, am besten gebildetste und verstädtertste in der Geschichte Arabiens“. Dank der Sozialen Medien sind sie enger mit der Welt verzahnt als je zuvor. Wenn nur die Herrscher wüssten, was sie mit ihnen anfangen sollen.

Im Original: Another Arab awakening is looming, warns a UN report

Gelesen bei: http://brd-schwindel.org

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