Kann ein Ostpreuße einen Migrationshintergrund haben?

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Ich bin Spätaussiedler, der 1972 als junger Bursche in die Bundesrepublik ausreisen – nicht verwechseln mit emigrieren! – durfte. Die Stadt Witten hatte mit seinerzeit einen Vertriebenenausweis mit der Nummer 5941/91.625 ausgestellt, den ich zum Spaß gerade heute mit mir herum trage.

Das hat folgenden Hintergrund. Nach vierundvierzig Jahren staune ich, dass man mich verwaltungstechnisch in eine Kategorie von „Bürgern mit Migrationshintergrund“ eingeordnet hat. Bis dato wurden Spätaussiedler, – amtlich korrekt, – nach Art. 116. Grundgesetz als Flüchtlinge und Vertriebene tituliert, im Alltag leider nicht selten abschätzig auch als „Polacken“, „Russen“ oder einfach als „keine echten Deutschen“ bezeichnet.

Das lag auch daran, dass vielen, die in den kommunistischen Geburtsländern keine deutsche Schule besuchen durften, die Feinheiten des Hochdeutschen unbekannt waren. An einen Terminus, der im Wortkern „Migration“ enthalten hätte, kann ich mich nicht erinnern.

Woher kommt jetzt plötzlich diese neue Definitionserfindung nach vier Jahrzehnten? – frage ich mich. So langsam wurde mir bewusst, dass die gelungene Integrationsbiographie meiner Landsleute von dem in der gegenwärtigen Willkommensdebatte missbraucht wird. Wenn jetzt fünf Spätaussiedler arbeiten, Steuern zahlen und fünf Migranten dem Staat auf der Pelle sitzen, beträgt nach der Neudefinition die Arbeitslosenquote der Migranten nur 50%. Das hört sich viel besser an, als wenn es 100% sind.

Um eines an dieser Stelle sofort klar zustellen: Die Aussiedler sind der falsche Vergleichsmaßstab und werden den Willkommensprotagonisten kein Alibi liefern. Ich appelliere, uns aus der unsinnigen Migrantenstatistik zu streichen. Wer das nicht begreifen will, sollte methodengerecht ebenso die ganze Ex-DDR als „Bürger mit Migrationshintergrund“ dazu zählen. Denn es gibt nicht nur einen genetischen und kulturellen, sondern auch einen gewaltigen ökonomischer Unterschied zwischen uns und den Einwanderermassen der Gegenwart.

Auf zwei auffällige Fakten möchte ich hier hinweisen.

Zum Ersten war das Gros meiner Landsleute schon nach wenigen Monaten in Deutschland in Lohn und Brot. Sie kloppten viele Überstunden und wurden von den Arbeitgebern für ihren Schaffenseifer gelobt. Das lag nicht nur daran, dass das Ostpreußische und das Schlesische doch mehr Ähnlichkeit mit dem Hochdeutschen als das Türkische oder das Arabische hatten. Denn die meisten der Ostankömmlinge waren wirkliche und keine „virtuellen“ Facharbeiter. Sie benötigten ebenfalls keine utopischen sechs Jahre „Integrationszeit“ für den Eintritt in den Arbeitsmarkt, wie es das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) und die ausgesuchten Talkshow-Experten heute verlangen.

Es ist mir heute völlig unbegreiflich, warum die „allein reisenden jungen Männer“ – so der amtliche Willkommensjargon der Kölner Stadtverwaltung – nicht in den städtischen Betrieben als unqualifizierte Hilfsarbeiter eingesetzt werden, geschweige denn warum Migranten nicht willens sind, die ihnen zugewiesenen Quartiere zu reinigen. Arbeiten galt doch immer als der beste Integrationsfaktor und steht in unserer Werteskala ganz oben.

Letztendlich wurde um Unsereins kein medialer Willkommensrummel gemacht. Bei der Wohnungssuche mussten wir von hiesigen Vermietern akzeptiert und von den Banken als kreditwürdig eingestuft werden. Mit der Zeit haben nicht wenige von uns (käuflich) ein Häuschen erworben und dankten Gott und Deutschland – hier komme ich auf Punkt zwei – dass wir so viel Glück im Leben hatten, um unsere Leistungsbereitschaft und unseren Fleiß entfalten zu dürfen.

Dankbarkeit gehört nämlich zu unseren osteuropäischen Werten. Diesen Dank an das helfende Deutschland vermisse ich bei heutigen Migranten auf Schritt und Tritt. In den Systemmedien und von Asylfunktionären verschiedener Couleurs, – die anscheinend selten berufstätig sind, da sie soviel Zeit aufbringen können – angestachelt, höre ich dagegen unaufhörlich Sätze, die mit

„Wir fordern… „, „Wir kritisieren,…“, „Es ist die Aufgabe der Deutschen,…“ oder „Nach der Menschenrechtskonvention,…“,beginnen.

Ist das jenes Vokabular, welches die Dankbarkeit ausdrückt?

Zum Schluss folgendes Fazit:

„Echte Deutsche“ müssen wir Spätaussiedler gar nicht werden. Es genügt uns völlig, wenn wir Ostpreußen oder Schlesier mit unserem eigenen Dialekt, unser eigenen Geschichte und klarem Heimatverständnis bleiben.

Oft frage ich mich, wessen Interessen der Bund der Vertriebenen (BdV), mit seinem neuen „Migrationsaufgaben“ und den Willkommenssprüchen seines neuen Vorsitzenden B. Fabritius eigentlich vertritt? Meine auf keinen Fall.

Meiner Ansicht nach, mutieren die zahlreichen Landesverbände des BdV zunehmend zu einer blanken Außenstelle der Berliner Flüchtlingspolitik, von denen sie, wenn sie brav bleiben, Subventionen erhalten.

Die Spätaussiedler und Heimatvertriebenen der ersten Stunde verstehen heute besser die strikte Ablehnung des Multi-Kulti -Experiments durch die Polen – mit denen wir ausgesöhnt und friedlich verkehren – als die stillschweigende Akzeptanz durch die Mehrheit der „echten Deutschen“.

 

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