„Eine Versöhnung” unter dem Diktat des polnischen Chauvinismus

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von Franz Krummbein

Der polnische Primas Stefan Wyszynski predigte 1957:

„Wir sind zurückgekehrt auf unsere urpolnische Erde … Schaut nur! – Es bleibt keine Spur von ihnen (den Deutschen), und in die Erde unserer Urväter, die uns mit Gewalt entrissen wurde, hat Gott den goldenen Weizen eurer Herzen gesät! … Die Austreibung der Deutschen war Gottes Fügung.”

Die Gesamtzahl der geflohenen, evakuierten, vertriebenen und ausgesiedelten Deutschen aus der Region östlich von Oder und Neiße belief sich vermutlich auf etwa 10 Millionen Menschen. Was schreiben darüber die polnischen Geschichtsbücher? Im Fall der Vertreibungen der Deutschen sind die Informationen nicht besonders umfangreich und werden auf einer halben bis zu einer Seite abgehandelt.

Geschichtsbücher für die Mittelschule

„Auf den Konferenzen der drei großen Siegermächte in Jalta und in Potsdam wurde der Raub der polnischen Ostgebiete legalisiert, die 1939 von der UdSSR eingenommen worden waren. Die Westgrenze Polens verschob sich bis zur Oder und Lausitzer Neiße. Schlesien, Westpommern und Ermland-Masuren (der südliche Teil des ehemaligen Ostpreußens) wurden angeschlossen… Aus den Gebieten, die an unseren Staat angeschlossen wurden, wurde die deutsche Bevölkerung ausgesiedelt und es wurden Polen, vor allem aus den östlichen Gebieten wie auch teilweise aus Zentralpolen, geholt.”  (G. Wojciechowski: Historia. Podręcznik dla gimnazjum. Razem przez wieki. III, Warszawa: 2001, S. 171).

„Polen wurden die Gebiete bis zur Oder und Neiße, Danzig, Stettin und der südwestliche Teil Ostpreußens zugeteilt (der Rest von Ostpreußen wurde zusammen mit Königsberg, umbenannt in Kaliningrad, von Stalin annektiert). Diese Gebiete wurden Polen nicht im Rahmen einer Entschädigung für das seitens der Deutschen zugefügte Leid zuerkannt, sondern als Tausch für die Gebiete im Osten, die zugunsten der Sowjetunion verlorengingen. Aus den Polen zugeteilten Gebieten sollten alle Deutschen ausgesiedelt werden.” (G. Kucharczyk, P. Milcarek, M. Robak: Przez tysiąclecia i wieki. Cywilizacje XIX i XX wieku, kl. 3, Warszawa: 2004, S. 245).

Notiz: Die Curzon-Linie war nach dem ersten Weltkrieg von den Westalliierten als Demarkationslinie zwischen dem neugegründeten Staat Polen und Rußland festgelegt worden. Polen war damit nicht einverstanden und führte in den Jahren 1919-21 Krieg gegen das durch Bürgerkrieg geschwächte Rußland. Das Resultat war letztlich die Eroberung „Ostpolens“ durch Polen. In den eroberten Gebieten befand sich die polnische Bevölkerung in der Minderzahl. Dieses Gebiet verlor Polen dann später wieder an die Sowjetunion. Nach dem Verlust dieser Gebiete an die Sowjetunion Kompensation von Deutschland zu fordern ist nicht schlüssig und völkerrechtlich ein Verbrechen.

„Die am Ende des Krieges und nach dem Krieg vollzogenen territorialen Änderungen bedeuteten für Polen den Verlust von ungefähr der Hälfte des Territoriums vor dem Krieg mit wichtigen Zentren des Polentums wie Wilna und Lemberg. Polen erhielt dafür bedeutende Gebiete, die vor 1939 zu Deutschland gehörten, Ermland-Masuren, Westpommern, das Lebuser Land, Niederschlesien und den westlichen Teil Oberschlesiens. Den Anschluss der Gebiete im Westen und Norden bewertete die Mehrheit der Polen als einen Akt historischer Gerechtigkeit, und das nicht nur weil die Gebiete früher teilweise zu Polen gehört hatten, sondern sie bewerteten sie auch als eine Form der Wiedergutmachung für die Verbrechen, die die Deutsche während des Krieges begangen hatten.”

„Nach dem Krieg wurden 4 Millionen Menschen deutscher Nationalität von der polnischen Regierung ausgesiedelt. Seit den ersten Tagen des Friedens nahmen neue Bewohner den Raum der ausgesiedelten Deutschen ein – Neuankömmlinge, die früher hinter dem Bug wohnten, demobilisierte Soldaten und Siedler aus Zentralpolen, insgesamt ungefähr 5 Millionen Menschen.”  (W. Mędrzecki, W. Szuchta: U źródeł współczesności. Dzieje nowożytne i najnowsze, Warszawa: 2001, S. 346).

Geschichtsbücher für die Oberschule

In den Lehrbüchern für die Mittelschule verwenden die Autoren gewöhnlich die Bezeichnung Aussiedlung. In den Geschichtsbüchern für die Oberschule stößt man auf folgende Begriffe: Aussiedlung, Zwangsaussiedlung, sog. Vertreibungen, Umsiedlung. In einigen Lehrbücher wurden die unterschiedlichen Phasen, in der die Deutschen die nach 1945 Polen zugesprochenen Gebiete verlassen haben, beachtet. Nur in einem Schulbuch wird die deutsche Begrifflichkeit für die Bezeichnung der Aussiedlung der Deutschen angeführt: „Diese Umsiedlungen, von den Deutschen Vertreibung genannt”, ist im Lehrwerk Poznajemy przeszłość. Zakres rozszerzony zu lesen, „wurden in Übereinstimmung mit dem Potsdamer Abkommen durchgeführt.”

Die Lehrbuchautoren  richten die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen der Aussiedlung der Deutschen und benennen auch diejenigen, die des Missbrauchs schuldig waren. Die Deutschen wurden auf „menschenunwürdige oder schlicht brutale Art” ausgesiedelt (Lehrwerk Poznajemy przeszłość. Zakres rozszerzony), es kam zu „großen Verlusten auf deutscher Seite” (Lehrwerk Historia dla maturzysty. Wiek XX). „Die deutsche Bevölkerung wurde 24 Stunden vor der geplanten Aussiedlung informiert und konnte sich nicht entsprechend darauf vorbereiten, das polnische Territorium zu verlassen” (Lehrbuch Historia najnowsza 3. Zakres rozszerzony).

Nur in einem Schulbuch wurden die Übergangslager für die deutsche Bevölkerung erwähnt, die es in den ersten Jahren nach 1945 gab:

„Der Abtransport [der Deutschen] fand gewöhnlich unter furchtbaren Transportbedingungen statt, und der Teil der Bevölkerung, der noch nicht abtransportiert worden war, wurde zum Objekt von Angriffen seitens der Polen oder der lokalen Behörden (darunter der Bürgermiliz). Diejenigen Deutschen, die als gefährlich eingestuft wurden, sowie die sog. Volksdeutschen wurden in speziellen Arbeitslagern inhaftiert (das schlimmste von ihnen befand sich in Lamsdorf). Die Aktion ging einher mit vielen Fällen von Missbrauch, insbesondere gegenüber der autochthonen Bevölkerung, die der nationalen Überprüfung unterzogen wurde” (Lehrbuch Ludzie I epoki).

Im Weiteren widmen sich die Autoren dem Problem der nationalen Überprüfung und den damit auftretenden Fällen von Missbrauch. „Es ist nicht verwunderlich”, fügen sie hinzu, „dass nicht nur Deutsche, sondern auch Schlesier, Kaschuben und Masuren, die sich von dieser Prozedur schikaniert und erniedrigt fühlten, Polen verließen” (Lehrwerk Ludzie I epoki).

„Dieses Vorgehen wurde als kleineres Übel im Vergleich zu potenziellen ethnischen Konflikten (das Problem der nationalen Minderheiten) gebilligt oder auch – wie im Fall der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg – als eine Art Strafe und Sicherheitsgarantie für die Zukunft angesehen.”  (J. Kochanowski, P. Matusik: Czlowiek i historia, cześć 4, Warszawa: 2004, S. 116).

„Gebiete, die im Westen eingegliedert wurden, waren zwar Teil des polnischen Staates während der Dynastie der Piasten, aber im Jahr 1945 stellten die Deutschen dort die eindeutige Mehrheit.”  (Radziwiłł A., Roszkowski W.: Historia dla maturzysty. Wiek XX. Podręcznik dla liceum ogólnokształcącego, Warszawa: 2004 S. 243, 244).

Notiz: Das Gebiet Ostpreußens, hat abgesehen vom 1466-1772 der polnischen Krone unterstellten Ermland, trotz 131jähriger Lehnsabhängigkeit niemals zu Polen gehört.

Pommern wurde bereits 1181 ein Reichslehen und 1231 ein Lehen der Markgrafschaft Brandenburg.

Die schlesischen Teilherzogtümer wurden am 7. April 1348 nach ihrer Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgten Unterstellung unter die böhmische Krone vom deutschen König Karl IV. feierlich in das deutsche Reich inkorporiert, nachdem Kasimir III. der Große von Polen im Vertrag von Trentschin für alle Zeit auf jegliche polnische Ansprüche verzichtet hatte.

Mit dem Frieden von Kalisch vom 23. Juli 1343 erkannte Kasimir der Große den Erwerb Westpreußens durch den Deutschen Orden an und verzichtete damit auf alle Gebietsansprüche.

„Verzicht ist Verrat!”

Die Anerkennung der Deutschen als Opfer von Vertreibungen kam in Polen nicht in Betracht. Stimmen, die die Vertreibung aller Deutschen, der das Prinzip der Kollektivschuld zugrunde lag, als unmenschlich kritisierten, blieben in der Minderheit.

Polen habe noch eine gewaltige Rechnung mit Deutschland offen – nicht nur moralisch, sondern auch finanziell, erklärte Jaroslaw Kaczynski, der Chef der Partei „Recht und Gerechtigkeit”. Deshalb die deutsche Frage muss rechtlich und politisch offen gehalten werden. Man dürfe das Recht auf Heimat niemals aufgeben, ohne die Menschenrechte selbst in Frage zu stellen.

Seit 2015 sammelt die Organisation „Restitution der Kresy“ Fall für Fall Informationen und Daten von polnischen Bürgern, die rechtmäßige Eigentümer von Land und Grundbesitz in der heutigen Westukraine („im wichtigen Zentrum des Polentums“) sind. Die Summe der Ansprüche beträgt bereits 5 Mrd. US Dollar. Eine solche Unterstützung von Eigentumsforderungen sollten die deutschen Eigentümer vom BdV (mit Unterstützung der Bundesregierung) auch erfahren, schreibt die Publizistin Karin Zimmermann. Daraus ergibt sich: Wenn Polen die jetzt auf ukrainischem Territorium liegenden Gebiete erhalten sollte, besteht ein Grund mehr, für die ostdeutschen Gebiete geltendes Völkerrecht anzuwenden und sie zurückzugeben.

Der Altkommunist und ehemaligen SPD-Fraktionsführer Herbert Wehner erklärte am 14. September 1950 im Deutschen Bundestag zur Oder-Neiße-Grenze:

„Das deutsche Volk sieht in der Anerkennung der Oder-Neiße-Linie …, in der Missachtung des Heimatrechtes der Vertriebenen Verbrechen an Deutschland und gegen die Menschlichkeit. Der Deutsche Bundestag spricht allen, die für diese Verbrechen verantwortlich sind …, das Recht ab, im Namen des deutschen Volkes zu handeln …“

Oder Wehner mit Willy Brandt auf dem Schlesiertreffen 1963:

„Verzicht ist Verrat! Wer wollte das bestreiten? Das Recht auf Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern. Niemals darf auf dem Rücken der heimatvertriebenen oder geflüchteten Landsleute Schindluder getrieben werden.“

Was Polen heute angeht, so dürfe es hier wohl keine Hoffnung mehr geben, daß die Gebite an Deutschland zurückkehren, sagen die Skeptiker. Herbert Wehner widerspricht:

„Es sind zwei völlig verschiedene Fragen, ob ich ein Recht durchsetzen kann oder ob ich das Recht, das nicht durchzusetzen ist, wachhalte. Wenn es nicht geht, dann geht es eben mehr oder weniger lange nicht; dann bleibt diese Frage zwischen diesen Staaten oder Mächten offen, so lange, bis sie einmal lösbar sein wird. Aber mit dem Preisgeben eines Rechts versündigen wir uns am Nächsten und würden uns selbst sehr schaden.“

Wie nötig es insbesondere gegenüber Polen ist, ein wachsames Auge zu bewahren, zeigt allein eine Bestimmung im Strafgesetzbuch, die eine Verunglimpfung der polnischen Nation unter Strafe stellt. Eine Regelung, die es nur noch in der Türkei gibt. Wer die Vertreibung wahrheitsgemäß entsprechend der Dokumentation der Bundesregierung darstellt, läuft in Polen Gefahr, von polnischen Gerichten verurteilt zu werden. Diese Gefahr ist keineswegs irreal, denn Bestrafungen sind bereits erfolgt.

„Wie können hierzu nicht schweigen, weil wir nicht schweigen können, wenn die historische Wahrheit über die Vertreibung bagatellisiert oder verfälscht wurde. Wir sind es der Würde der Opfer schuldig, darüber zu reden und Wiedergutmachung zu fordern. Polen ist aufgerufen, es Ungarn gleich zu tun. Und sich für die Vertreibungsverbrechen zu entschuldigen, statt seine Schuld zu leugnen“,

verkündete Rudi Pawelka, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien von 2000 bis 2013.

Eine dauerhafte Versöhnung brauche eine Anerkennung der Vertreibung, argumentierte Pawelka.

„Haben Millionen unschuldige Opfer eine würdige Erinnerung nicht verdient? Sind sie kollektiv schuldig geworden?“

Gelesen bei: http://brd-schwindel.org

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